„Binau – Kleinod am Neckar“, so der Titel des Binauer Heimatbuches, das anlässlich der 1200-Jahrfeier der Gemeinde im Jahre 1969 Ernst Brauch in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister Ludwig Pfisterer verfasste. Und ein „Kleinod“ ist die zweitkleinste selbständige Gemeinde des Neckar-Odenwald-Kreises fürwahr:

Bereits in der späten Bronzezeit lebten auf der Gemarkung von Binau Menschen. Den Beweis lieferten zwei Grabhügel im Binauer Forst. Dort sind noch sieben weitere und ebenso zwei im Gewann Rothenberg vorhanden, die jedoch nicht geöffnet wurden. 1958 fand man außerdem eine Anzahl von Gefäßen und Urnen aus der jüngeren Bronzezeit in einem steinernen Kistengrab im „Knoden“. Aus der Römerzeit sind Mauerreste und Münzen gefunden worden. Auch die Alemannen und die Franken hinterließen Spuren ihrer Anwesenheit in Form von Funden.

Binau wurde im Jahre 769 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber sicherlich viel älter. Der Ortsname, dessen Endung „-au“ auf die Flussaue des Neckars hinweist, lautete 769 Benenheim oder Bienenheim, 772 Beonanheim, 774 Beninheim, 1536 Buenaw, 1629 Binheimb und im 18. Jahrhundert Neckarbinau. Man ist sich nicht sicher, ob die Bedeutung des Namens von einer mit Weidenruten geflochtenen Fischfangvorrichtung, der Benne oder Binne, oder von der Bienenzucht abstammt. Beide, Fisch und Bienenkörbe, sind auf dem „redenden“ Wappen der Gemeinde abgebildet.

Vor seinem Eintritt in das Engtal umspannt die weit ausholende Schleife des Neckars Dorf und Gemarkung Binau und hinterlässt den Eindruck, sie lägen auf einer Halbinsel. Diese Tatsache sowie das herrschende milde Klima brachte Binau auch die schöne Bezeichnung „Teneriffa des Neckars“ ein. Dies auch wegen des milden Klimas, das die bevorzugte Lage und die Höhe von durchschnittlich 154m über NN gewährleistet.

Aus der Ortsmitte ragen Schloss und Dorfkirche. Das Schloss steht fast auf der gleichen Stelle wie das alte Schloss das bis Mitte des 18. Jahrhunderts hier stand. Auf dem Schloss lebten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Ortsherren von Binau, Freiherren und Grafen, später aber auch Bürgerliche. Nachdem das Schloss kurzzeitig als Hotelpension genutzt wurde, ist heute ein Alten- und Pflegeheim darin untergebracht.

Schon früher hatte das Kloster Lorsch viele Besitztümer in Binau. Die Hüter des Tales waren im 12. Jahrhundert die Ritter von Dauchstein, danach in der Mitte des 14. Jahrhunderts waren es die Freiherren von Helmstadt, die ebenfalls auf der nahe bei Binau gelegenen Burg Dauchstein lebten. Später kam Binau in den Besitz der Reichsritterschaft der Franken.

Die Burg Dauchstein, um 1150 zur Zeit der Hohenstaufen als Zollburg erbaut, lag früher etwa eineinhalb Kilometer von Binau entfernt und ist heute in den neuentstandenen Ortsteil Binau-Siedlung miteinbezogen.

Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Turmgewölbe des auf quadratischer Fläche erbauten Kirchturmes konnten 1926 und 1956 bei Renovierungsarbeiten spätgotische Fresken und das Baujahr 1350 freigelegt werden. Seitdem wird die Kirche gern von Kunstfreunden besucht.

Die Binauer betrieben neben Landwirtschaft und Viehzucht einen ausgedehnten Weinbau. Im 18. Jahrhundert stellten sie sich allmählich auf Kernobst um und als im 19. Jahrhundert die Reblaus zu wüten begann betrieben sie nur noch Obstbau. Heute wächst noch an wenigen Hängen Wein, der allerdings nicht mehr selbst vermarktet wird. Stattdessen ist Binau heute weithin für seinen Apfelanbau berühmt. Die weiten Hänge der Gemarkung sind Apfelplantagen und urtümlichen Streuobstwiesen, deren Erhalt ein vordringliches Ziel bei allen Planungen ist, durchsetzt.

Auch die Fischerei wurde betrieben. Der Neckar war einst sehr fischreich und die Neckarfische waren als schmackhafte Leckerbissen weithin bekannt. Früher gab es in Binau auch eine Fähre, die „Binauer Fähr“, die jedoch mit der Eröffnung der Neckartalbahn an Bedeutung verlor und 1945 zerstört wurde.

Doch der Neckar war nicht immer nur Segen für die Einwohner Binaus: Das größte Hochwasser in der Geschichte Binaus geschah im Jahre 1784 als die Wogen des Flusses bis zur Kirchtreppe gingen. Das zweitgrößte Hochwasser wurde am 21.12.1993 mit 6,57 Meter über Normalpegel registriert und übertraf damit noch die Marke vom 24.05.1978 um 64cm (Pegel Gundelsheim).

1878 bekam Binau einen eigenen Bahnhof, der 1968 wegen Sparmaßnahmen der Bundesbahn zum Haltepunkt umgewandelt wurde und heute nur noch für den Personenverkehr von Bedeutung ist. Im Mai 2002 wurde der Umbau des alten Bahnhofgebäudes vollendet und es erstrahlt nun wieder in neuem Glanz als Bürgerhaus mit Jugendraum.

Viele Kriegsvölker zogen in den letzten Jahrhunderten durch die Dörfer am Neckar. So hatte Binau viel Elend und eingeschleppte Krankheiten durchzustehen. Die Verwüstungen im 30-jährigen Krieg waren nicht ganz so schlimm, da der Ort etwas abseits lag.

Die beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts hingegen brachten auch Binau viel Not und Verlust an Menschen und Gütern. Im 2. Weltkrieg mussten die Bauern ihre Felder nachts bestellen, da sie tagsüber von Bombardierungen und Tieffliegerangriffen gehindert wurden.

Nach dem letzten Weltkrieg verdreifachte sich die Bevölkerungszahl des Ortes und auch das Wirtschaftswunder zeigte seine Wirkung. Öffentliche Einrichtungen und Gebäude wurden umgebaut, verbessert oder neu erstellt. Es wurden neue Wohn- und Industriegelände, wie beispielsweise bis zum Jahre 1969 die heutige Siedlung, erschlossen. Insgesamt sind von der Gesamtgemarkung 11,1 %, das sind 54 Hektar bebaut. In beiden „Ortsteilen“ lebt ungefähr jeweils die Hälfte der derzeit etwa 1420 Einwohner.

Seit 1966 pflegt Binau eine intakte Gemeindepartnerschaft mit der Gemeinde Lindau im Harz. Unvergesslich die Jubiläumsfeier 1996 in Binau, bei der eine Abordnung aus Lindau erstmals mit dem Fahrrad die rund 400 km Distanz zwischen beiden Gemeinden zurücklegte. Die guten Verbindungen der beiden Orte fanden auch im Binauer Neubaugebiet ihren Niederschlag. Zwei Straßen wurden auf einstimmigen Beschluss des hiesigen Gemeinderates nach zwei „Säulen der Partnerschaft“, den Bürgermeistern Ludwig Pfisterer (Binau) und Horst Waßmann (Lindau) benannt. 

Ein nicht zu vergessendes großes Plus unserer Gemeinde ist rot und kommt meist halbstündlich nach Binau: Die Rede ist von der S-Bahn Rhein-Neckar, die in Binau einen ihrer schönsten Haltepunkte vorfindet: Nicht ohne Grund ziert der Binauer Bahnhof manchen Prospekt. Mit viel Weitsicht und finanziellem Engagement hat die Gemeinde das zerfallene Bahnhofsgebäude saniert und in ein Bürgerhaus mit Jugendraum umgewandelt. Außerdem legte man Park&Ride- sowie Park&Bike-Plätze an, welche von zahlreichen Bürgern kostenfrei genutzt werden. Diese kommen so ohne Probleme mit der S-Bahn von Binau zum Arbeitsplatz, kehren allerdings noch lieber am Abend wieder in ihre Heimat Binau zurück.  

Den letzten Einwohnerschub gab es im Jahr 2004 als im Binauer Ort das Baugebiet „Heldenäcker“ mit insgesamt 58 Bauplätzen erschlossen wurde. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Bauplätze auch bereits voll bebaut, was eindringlich verdeutlicht dass unsere Gemeinde trotz des demografischen Wandels noch eine der wenigen verbliebenen „Wachstumsgemeinden“ ist.

Eine gewichtige Rolle spielt in Binau auch der Fremdenverkehr, denn besonders die Gäste des direkt am Neckar liegenden Campingplatzes „Fortuna“ mit rund 180 Stellplätzen suchen hier Ruhe und Erholung. Dank der S-Bahn-Station, dem Radweg entlang des Neckars und der B 37 und der Mitgliedschaft der Gemeinde im Naturpark Neckartal-Odenwald sowie im Geopark kommen auch viele Tagestouristen nach Binau. Viele markierte Wanderwege, besonders der direkt am Neckar verlaufende Leinpfad, laden sowohl Gäste als auch Einwohner ein, die unberührte Natur und die romantischen Winkel der Gemeinde zu erwandern.

Ein wahres Mekka für Spaziergänger ist der Verbindungsweg Binau – Reichenbuch mit einem sonnigen Rastplatz, der einen einmaligen Blick über den gesamten Elzmündungsraum bietet.

Nach der erholsamen Wanderung durch die Binauer Streuobstfluren kann man sich dann in einer der drei im Ort befindlichen Gaststätten stärken. Die Betriebe „Zum Anker“, „Zum Goldenen Hirschen“, „Sonneneck“ und „Fortuna“ bieten ein breit gefächertes und empfehlenswertes Angebot für alle Altersklassen und jeden Geschmack.

Auch an Infrastruktureinrichtungen hält die Gemeinde einiges vor: Binau verfügt über einen konfessionellen Kindergarten der nach dem jährlich fortgeschriebene Bedarfsplan noch jedem Kind einen Platz sichert und eine eigenständige Grundschule, die sich durch die intensive Schulung in kleinen Klassen einen sehr guten Ruf erarbeitet hat.

Zur Sicherung des täglichen Bedarfs steht im Binauer Alt-Ort eine Bäckerei-Filiale mit begrenztem Lebensmittelangebot und donnerstags ein kleiner Markt mit frischen Fleisch- und Wurstwaren zur Verfügung. 

Rund zwanzig kleinere und mittlere Wirtschaftsunternehmen haben ihren Sitz vor Ort. Damit sich die Betriebe hier ansiedeln können hat die Gemeinde vor einigen Jahren im Eingangsbereich Siedlung das Gewerbegebiet Limberg erschlossen, das etlichen Binauern Arbeit und Brot gibt. Insgesamt kann die Gemeinde etwa 200 Arbeitsplätze anbieten.

Ein Beleg für die intakte Dorfgemeinschaft ist aber zuvorderst das Binauer Vereinsleben. 20 Vereine, vom Sportverein über Schützen- und Gesangverein bis hin zu den Obst- und Gartenbaufreunden prägen mit ihren verschiedenen Veranstaltungen das kulturelle Leben. Dabei wird auch viel Wert auf altes Brauchtum gelegt. Unter anderem gehören das Dreikönigsschießen des Schützenvereins, das Maibaumstellen des Heimat- und Verkehrsvereins Binau, die Maifeier des SPD-Ortsvereins und die Sonnwendfeier der „Binemer-Weffzen“ zu den traditionellen Terminen im Jahreslauf. Immer wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch neuerdings die so genannten „Binauer Adventstreffs“ auf dem Rathausplatz, bei denen man in ungezwungener Atmosphäre den einen oder anderen Glühwein genießen kann. Eine Idee übrigens, die wir uns bei unseren Freunden in der Partnergemeinde abgeschaut haben.

Unser jüngstes Kind steht derzeit im Bereich des Sportplatzes zwischen der Siedlung und Binau-Ort: Für Jung und Alt haben wir mit viel Hingabe einen Mehrgenerationen-Fitness-Parcours verwirklicht, der an insgesamt acht Outdoor-Fitnessgeräten, zwei Boulebahnen und einem Kunstrasen-Kleinspielfeld Jedermann zur sportlichen Betätigung und zum Verweilen animiert. Dies alles natürlich in der ungestörten Natur und bei herrlichem Blick in den Elzmündungsraum.

Das Gemeindezentrum mit Rathaus, Sport- und Festhalle sowie dem Feuerwehrgerätehaus erstrahlt seit Ende des Jahres 2018 in neuem Glanz und wurde in aufwändiger Arbeit modernisiert und zudem behinderten- und seniorengerecht umgebaut.

Ein kleines Baugebiet hoffen wir im Jahr 2019 erschließen zu können, in dem wir die wahrscheinlich vorerst letzten 13 Bauplätze in der Siedlung und damit ganz nah an der S-Bahn Rhein-Neckar anbieten können.

Im Jahre 1969 wurde die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde mit einer denkwürdigen Festwoche unter der Regie des damaligen Bürgermeisters Ludwig Pfisterer begangen. Und wir dürfen gespannt sein, was zur 1250-Jahr-Feier in diesem Jahr alles auf die Beine gestellt wird.

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